Überleben mit Julia

Im Sommer 2018 habe ich ernsthaft gehungert. Anfang Juli war ich dem Tode nahe. Sozialhilfe wurde mir verweigert, ich stand bestochenen Trotteln gegenüber und ich hatte keine Chance.

Mitten in einer „Wohlstandsgesellschaft“ zu hungern ist tabu. So etwas passiert nur Armen, Dummen und Gesellschaftskrikern. Es scheint peinlich, aber bald kommen die Nachbarn. Sie lachen und füttern den Hund bewusst mit gutem Fleisch.

Nach 2 Monaten mit 15 Euro heißt es die Zähne zusammenbeißen.

Julia hat mir geholfen. Ich wäre buchstäblich gestorben ohne sie. Sie hat mir geraten, Korn zu stehlen und es sofort zu rösten. Kiloweise ist das Korn dann im Ofen gelandet. Was für eine Frau ist das?

Ich hatte damals vielleicht 65 Kilo, bei 185 cm Körpergröße. Ich war fast verreckt. Dann habe ich das Korn gefressen. Sie hat auch zu mir gesagt, dass ich nicht so viele Kirschen fressen soll weil es gefährlich ist.

Für 60 Cent habe ich Nudeln gekauft und Julia gefragt, wie man das aufbessern kann. Das Kraut vom Wegrand, das mir damals das Überleben gesichert hat werde ich ihr niemals vergessen. Nie.

(Dokumente Arbeitskreis NSU)

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