Mein Tagesablauf

Ohne hier missionarisch werden zu wollen, beschreibe ich mal meinen Tagesablauf. Sigi würde das wahrscheinlich mit einem blöden Scherz verbinden, „für die Jugend“ schreibt sie heute, als Anspielung auf mein vorgerücktes Lebensalter. Dann küssen wir uns, womit ich beim Thema bin.

Seit ich 14 bin bin ich Veganerin. Es ist so gekommen, weil ich beim Gasthaus „Rosian“ in meiner Heimatstadt gekochtes Schweinefleisch gerochen habe. Da ist mir ein halbwegs gut riechender Mann lieber, dem ich das Rauchen abgewöhnen und den ich bei Bedarf küssen kann. Sigi „redigiert“ übrigens diesen Artikel. Dafür habe ich ihm heute früh, als wir aufgestanden sind, keinen Kaffee gebracht.

Nachdem wir den Kaffee getrunken haben will ich Sex. Es geht mir gewaltig auf die Nerven, wenn ein Mann den Morgen als Ausrede für seine perverse Arbeitswut benutzt. Wir arbeiten sowieso sehr viel. Danach will ich ausgiebig massiert werden und gehe dann einkaufen.

Sigi soll nicht dauernd einkaufen gehen. Gestern hat er im Laden hier in Weida seine doofe Exfreundin getroffen. Normalerweise „übernehme“ ich die selbst und wechsle ein paar Worte mit ihr. Sie steht immer noch auf ihn und braucht meine Abreibungen. „Blumen Wolli“ nennt er sie und lacht.

Komme ich nach Hause, nimmt mich Sigi mit einem saudummen Witz in Empfang, er nennt mich zum Beispiel „Mit Schwarz“ oder ich bekomme eine überflüssige Liebeserklärung. Das Mittagessen ist in 10 Minuten fertig. Lange herumkochen geht höchstens am Abend. Früher in Wien habe ich manchmal für Paare gekocht, im kurzen Spitzenkleidchen. Das ist bei Sigi nicht nötig, weil er am frühen Nachmittag wieder „zu Bett“ muss, Ausreden gibt es keine.

Am Nachmittag will ich gründlich mit meinem Partner meditieren. Wenn einer nicht imstande ist, sich zu entspannen und mich auch mit Spielzeug länger zu befriedigen kann er mir gestohlen bleiben. Handy und Rechner bleiben aus, „Bekleidung“ mag ich am Nachmittag nicht.

Gegen Abend kümmere ich mich um meinen Körper. Dazu brauche ich ein paar Stunden im Bad. Sigi rackert irgendwo im Netz oder „frisst“ lebensgefährliches Geheimmaterial. Manchmal brauche ich es, dass mir jemand bei der Kosmetik hilft. Öfter ist eine Freundin bei uns, Sigi hält es ja eh ohne Zweitfrau nicht aus.

Für mich gehört auch ein Streit zum Tagesablauf. Sigi hasst Streit, er geht sofort rauchen. Der Kerl soll sich endlich scheiden lassen und die jungen Weiber in Ruhe lassen, außer ich lerne sie selber kennen. Araberinnen kommen nicht in Frage.

Ich quatsche nicht gern. Das Abendessen habe ich zwischendurch vorbereitet, und Sigi verzehrt es unter saudummen Witzen, etwa mit der Bemerkung „morgen gibt es ja eh Schweinernes“. Abends wird heute nicht gesoffen. Sigis Rotweinflaschen „bleiben geschlossen“. Stattdessen gibt es Popcorn und Annanassaft. Gute Nacht.

Julia Präauer

(Foto privat)

 

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