Weihnachten im Frauenknast Chemnitz

Wie hinlänglich bekannt, hat man uns über Weihnachten in der JVA Chemnitz „verwahrt“. Katy, Renate und ich wir gingen den Bayern in die Falle und wurden rechtzeitig vor Heilig Abend eingesperrt. Ich hasse Weihnachten im Knast, das ist mir schon zweimal passiert, noch dazu unschuldig. Schlimmer war nur ein Weihnachten vor fast zehn Jahren, das ich „draußen“ verbringen durfte, weil ich einem ÖVP-Idioten Gesellschaft geleistet habe.

Wir waren dann also in Chemnitz. Ich kenne den Knast von 2011, als ich wegen erfundener Drogengeschäfte eingesperrt war, bis wir in die Frühlingsstraße auswichen, die ja plötzlich abbrannte. Auch diesmal erfundene Drogendelikte, in Wirklichkeit politische Haft, wegen diverser Artikel hier. Ich hatte eine Zweierzelle ohne Fernseher, die ich allein bewohnte. Verbindung gibt es nur zu lesbischen Wärterinnen, zu keinen Männern draußen.

Am Heiligen Abend war in der Früh (!) eine Ansprache. Ein doofer Pfarrer erzählte uns im Speisesaal was Doofes, zur Feier des Morgens wurde gemeinsam gegessen. Dann fingen irgendwelche gekauften Provokateure eine Schlägerei an, so dass der Umschluss gestrichen wurde. Mittagessen war kalt, dann am Nachmittag ging ein Apotheker durch und bot Beruhigungsmittel an. Abendessen (Rinderbraten, war o.k.) musste liegend auf der Zelle eingenommen werden.

Um 21 Uhr – weihevoll – hieß es austreten zum Gesang. Der Flur stand um einen scheußlichen Weihnachtsbaum, es wurde „Stille Nacht“ gekrächzt. Neben mir kam Beate Zschäpe zu stehen, ich wunderte mich, dass man das zuließ. Renate und Katy waren irgendwo separiert. Beate hatte Tränen in den Augen; ich richtete ihr schöne Grüße von Sigis Freund Thomas Starke aus. Er hat Beate sehr gern. Sie muss viele Medikamente nehmen und sieht krank aus.

Danach eine sehr beschissene Zeit bis gestern, als wir entlassen wurden. Vernehmungen, Beschimpfungen, politische Belehrungen. Man wollte, dass ich eine Verpflichtungserklärung für das Bundesamt unterschreibe. Ich rutsche angeblich in den Neonazismus ab, hieß es. Nach ein paar bösen Artikeln von Sigi rückten die Bayern ihre Unterlagen heraus, und wir kamen frei. Wo ich heute bin, sag ich keinem.

(Fotos DPA)

Iris Koznita

img_1369-1

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s